Kelmut – Seite 3

Es muß eine andere Lösung geben, für das Problem, dachte Kelmut. Beim Großen Millionenfüßler, niemand kann von mir so etwas Überfüßlerisches verlangen! Wo ist sie nur? Wo kann ich sie nur finden? Wie kann ich die tausend Widersprüche integrieren?
Während er so da stand, vollkommen schrittlos, und nicht einen Millimeter mehr vorwärts kam, nahm er plötzlich eine Bewegung wahr. Er hob wieder den Kopf mit den Facettenaugen und bemerkte dann etwas weiter vorn, in der matschigen Wand des Stollens eine Bewegung. Eine Art Huppel tauchte auf, eine Wölbung, die langsam größer wurde, sich dann in die Länge reckte und anfing zu kreisen. Ach du liebes bißchen, rief Kelmut, es ist nicht zu fassen, hier unten drin, es ist ein Wurm! Richtig, kurz darauf hatte sich ein dicker fetter Regenwurm aus der Tunnelwand geschält, der sich windend vorwärts kroch.
»Hallo«, rief Kelmut, »was machen Sie denn hier?«
»Ist da wer, wer ruft?«, tönte es zurück.
»Ich bins, Kelmut der Tausendfüßler.
»Tausend was?«
»Tausendfüßler«
»Füßler? Was bitte? Füßler, meinen Sie? Sie meinen Fuß?« es hörte sich richtig erschrocken an.
»Ja, ich Kelmut, ich habe 1000 Füße, naja, jedenfalls nehm ich es an.«
»Du lieber Himmel, was für ein Luxus, ich habe nicht mal einen«, sagte der Wurm, »aber gestatten Sie, dass ich mich vorstelle, ich heiße Wurmolux aus der Familie der Platzregenwürmer, und ich wohne nicht weit von hier, denn ich bin auf dem Weg durch mein Standardrevier.«
»Standardrevier? Das hört sich so nach Jagd irgendwie an, tun Sie etwa was jagen?«
»Jagen? Nein, das tue ich nicht.«
»Was tun Sie denn?«
»Das geht Sie nichts an«, sagte Wurmolux etwas barsch, »wir kennen uns doch noch gar nicht, da können Sie doch nicht so intime Fragen stellen.«